Arschengel kennt jeder – auch Hans und Peter

Arschengel* hat / ist Jede(r) …

Wer kennt sie nicht: Menschen, die einem auf die Nerven gehen, weil sie permanent Grenzen übertreten. Sie sagen meistens und anscheinend sehr gerne: Das Falsche.
Sie bringen dich innerhalb von Sekunden mit „überhaupt nichts“ von Null auf 180. Sie legen ihren Finger direkt in Deine Wunde, bohren manchmal noch darin herum und lächeln dabei sehr freundlich.

Arschengel können einem immer und überall begegnen: Beim Einkaufen, zu Hause, bei der Arbeit, beim Arzt, im Schwimmbad oder im Verein. Überall, wo Menschen sind und miteinander umgehen, gibt es potentielle Arschengel (Täter UND Opfer).
Es gehören immer Zwei dazu: Einer, der es macht und der Andere, der es zulässt.

„Nicht, was die Dinge objektiv und wirklich sind,
sondern was sie für uns,
in unserer Auffassung sind,
macht uns glücklich oder unglücklich.“
Arthur Schopenhauer

…private Arschengel

„Oh mei oh mei, hast Du zuglegt!“ Wer so freundlich und liebevoll empfangen wird, wird der wohl zukünftig auf Frustfuttern verzichten?

…oder man ist ein schlagfertiges und mit-sich-selbst-zufriedenes-Dickerchen und kontert einen solchen Empfang lächelnd mit: „Und ich habe jeden Bissen genossen, du darfst neidisch sein!“ 🙂

„So langsam machen wir uns Sorgen, dass du zum Ladenhüter wirst!“ sagt der gute Onkel zur seit Jahren alleinerziehenden Single-Mama. Nett! Als Mittdreißigerin mit Kleinkind hat man es nun mal nicht so einfach. Mit solchen Kommentaren kann man verunsicherte Singles in eine gnadenlose Torschlusspanik treiben.

 

…Arschengel im Büro

„Oh, sie sehen heute ja richtig anständig aus!“ äußert der charmante Vorgesetzte, als er die Kollegin morgens mit zusammen gebundenen Haaren und schwarzem Anzug am Drucker stehen sieht.
„Kleider machen Leute aber keine Menschen!“ entgegnet man in dem Augenblick als schlagfertige Frau. Nur, wer ist nach solch einer Breitseite am Morgen schon schlagfertig.

„Sag mal, des Oberteil hast du diese Woche aber schon mal getragen!“ Dieser anteilnehmende Satz am Morgen anstatt einer Begrüßung, kann einem den ganzen Tag versauen. Wenn man nicht drüber steht, über solchen Kommentaren.

Wer an Fasching im orangen Pulli ins Büro kommt und von der Kollegin freudestrahlend gefragt wird, ob er sich denn als Kürbis verkleidet hat, kann sich über die Kollegin aufregen, muss er aber nicht.

„Den Prozess gewinnst du!“ sagt der nette Kollege am Morgen zur Kollegin, die gestern beim Friseur war und bis eben noch zufrieden mit ihrer Frisur war.
Wer ein gesundes Selbstbewusstsein hat, an dem prallt so ein Spruch ab. Die eitle aber unsichere Frau nimmt sich solche Kritik leider meistens zu Herzen.

Die Lösung liegt allein in Dir

So lange es Dinge gibt, mit denen man selber nicht im Frieden ist, so lange bleibt man potentielles Opfer von Arschengeln. Die eigene Unsicherheit und Unzufriedenheit mit eigenen Anteilen, Eigenschaften oder Merkmalen, zieht diese förmlich ins eigene Leben.

Und weil Menschen manchmal zu wohlerzogen, schüchtern oder einfach nur unsicher sind, lassen sie sich von rücksichtslosen Menschen demütigen, benachteiligen und oben drauf noch mies behandeln.

„You gotta fight
for your right!“
Beastie Boys

Arschengel sind lästig. Sehr lästig sogar. Aber genau an Diesen wachsen wir. Wenn wir wollen!

Im Umgang und der Auseinandersetzung mit ihnen, werden wir stärker. Wir setzen uns mit geäußerter Kritik oder schlechter Behandlung auseinander, aber lassen uns nicht mehr runter ziehen.

Weil wir wissen, es gehören immer Zwei dazu. Niemand muss sich von anderen ärgern, schlecht behandeln oder immer wieder piesacken lassen.

„Hasta la Vista,
Baby!“
Terminator II

Du kannst nur Dich selber ändern

Arschengel zwingen uns quasi dazu, uns mit Dingen zu beschäftigen, die wir lieber weiter ignorieren würden. Letztlich wachsen wir daran – so nervig sie sind: Sie tun unserer Persönlichkeitsentwicklung richtig gut!

Wenn wir an uns arbeiten, bringt uns das ein besseres Leben. Manchmal sogar ein viel besseres Leben. Weil wir uns dann trauen, für unser Recht einzustehen und allen Arschengeln dieser Welt die Stirn zu bieten.

Wenn der Chef mal wieder ungerecht handelt (weil er auch nur ein Mensch mit vielleicht unglücklichem Privatleben ist), dein Schwarm dich schon wieder versetzt hat (er hat eben andere Prioritäten), eine „Freundin“ dich wieder mit spitzer Kritik an einer emp­findlichen Stelle trifft (sie ist doch auch nur ein Komplexhaufen, der sich an deinen scheinbaren Makeln ergötzt und hochzieht), deine Nachbarin (die sonst nichts zu sagen hat) wieder alles besser weiß und deine drückebergerische Kollegin schon wieder versucht, dir das Deppen-Geschäft aufzudrücken, dann sage laut und deutlich „Nein!“, ändere dich, lass dir nichts gefallen und mach Dein Ding.

Nimm es nicht persönlich

Nur weil dich jemand kritisiert oder schlecht behandelt, hat das nichts mit dir zu tun.
Wie ein Mensch mit dir umgeht, zeigt nur, was er für ein Mensch ist und was für ein Bild er über dich hat. Das hat nichts damit zu tun, wie du wirklich bist.

Manchmal will jemand auch nur einen kleinen Spaß machen, und hat keine Ahnung darüber, dass dich das verletzt. Frage dich in dem Augenblick, ob das, was derjenige zu dir gesagt hat, dich auch noch in einem, fünf oder in zehn Jahren aufregen wird. Wenn nicht, brauchst du dich auch jetzt nicht darüber zu ärgern.

„Wenn Du kritisiert wirst,
dann musst Du irgend etwas richtig machen.
Denn man greift nur denjenigen an,
der den Ball hat.“
Bruce Lee

*Der Diplom-Psychologe und Autor Robert Betz hat den Begriff Arschengel geprägt: www.robert-betz.de